Die Legende vom Ritter Georg

In Silena in Nordafrika lebten die Menschen in Furcht und Schrecken vor einem grässlichen Drachen, der vor den Toren der Stadt in einem Teich wohnte. Er verwüstete ihre Äcker und Felder, stahl Schafe und Kühe von den Weiden und verpestete die Luft mit seinem giftigen Atem.
Als keine Tiere mehr vorhanden waren, musste man Menschen opfern. Jedesmal wurde das Los geworfen. Eines Tages fiel das Los auf die Königstochter.
Die Königstochter verabschiedete sich weinend und trat zitternd vor das Tor der Stadt. Da kam der römische Ritter Georg
dahergeritten. Sie erzählte ihm alles und er versprach, ihr zu helfen.
Plötzlich kroch der Drache aus dem Teich heraus. Georg sprang auf sein Ross, machte das Kreuzzeichen, ritt gegen ihn und durchbohrte ihn mit seiner Lanze. Der Drache war schwer verwundet.
Nun sagte Georg zur Königstochter: ,,Nimm deinen Gürtel und wirf ihn dem Ungeheuer um den Hals." Sie tat es und der Drache folgte ihr nach wie ein zahmes Hündchen.
Als sie in die Stadt einzogen, flüchteten die Leute. Georg winkte sie aber herbei und sprach: ,,Fürchtet euch nicht, denn Gott hat mich zu euch gesandt. Darum lasst euch als Christen taufen, dann will ich diesen Drachen erschlagen".
Da ließen sich der König und alles Volk mit ihm taufen, und Georg zog sein Schwert und erschlug den Drachen mit einem Hieb.
                                                                                          nach Jacobus de Voragine
                                                                                                                       (aus: Bausteine Lesebuch 3)